Deutscher Fondsverband

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Nachhaltigkeit

 
25.1.2022

Beratergremium der EU-Kommission lehnt Erweiterung der EU-Taxonomie auf Atomkraft und Erdgas ab

Die EU-Plattform für ein nachhaltiges Finanzwesen kritisiert in einer Stellungnahme den Vorschlag der EU-Kommission für einen ergänzenden delegierten Rechtsakt ...

Die EU-Plattform für ein nachhaltiges Finanzwesen kritisiert in einer Stellungnahme den Vorschlag der EU-Kommission für einen ergänzenden delegierten Rechtsakt zur EU-Taxonomie mit technischen Kriterien für Atomkraft und Erdgas. Das Beratergremium der Kommission stellt klar, dass die vorgeschlagenen technischen Kriterien nach ihrer Einschätzung gegen den Level-1-Rahmen der EU-Taxonomie verstoßen, insbesondere weil sie nach dem anerkannten wissenschaftlichen Maßstab keinen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten und damit nicht die Anforderungen für Übergangsaktivitäten (vgl. Art. 10 (2) Taxonomieverordnung) erfüllen.

Konkret empfiehlt die Plattform Folgendes:

  • Für die Bewertung der wirtschaftlichen Aktivitäten im Zusammenhang mit Atomenergie und Erdgas sollte sich die EU-Kommission mehr Zeit nehmen, da die aktuellen Vorschläge wesentlich von der Logik und dem Anspruch der bereits verabschiedeten technischen Kriterien abweichen. Die EU-Plattform plant ohnehin, in den nächsten Wochen ein Konzept für die Ausweitung der EU-Taxonomie auf sogenannte wesentlich schädigende Aktivitäten und Aktivitäten mit mittlerer Performance zu veröffentlichen. Kriterien für Aktivitäten mit Treibhausgasemissionen, die den Grenzwert von 100g CO2-Emissionen/kWh überschreiten, können Bestandteil dieser erweiterten Taxonomie werden.
  • Für Erdgas sollen dementsprechend nur Aktivitäten als ökologisch nachhaltig anerkannt werden, deren Treibhausgasemissionen über den Lebenszyklus unter 100g CO2e/kWh liegen. Die Ausnahmen für Gaskraftwerke, die vor 2030 genehmigt werden und bis zu 270g CO2e/kWh emittieren dürfen, erachtet die EU-Plattform für nicht Level-1-konform.
  • Mit Blick auf die Atomkraft stellt die EU-Plattform fest, dass wesentliche Beeinträchtigungen anderer Umweltziele durch die vorgeschlagenen technischen Kriterien nicht vermieden werden und damit ein Verstoß gegen das „Do Not Significant Harm“-Prinzip der EU-Taxonomie vorliegt. Inkonsistenzen werden insbesondere mit Blick auf das Umweltziel 4 (Übergang zur Kreislaufwirtschaft) und 5 (Vermeidung und Kontrolle der Umweltverschmutzung) beanstandet.
  • Sollte die EU-Kommission ihren Vorschlag entgegen dem Rat der Experten annehmen, so müssten die Berichtspflichten nach der EU-Taxonomie erheblich ausdifferenziert werden. Die EU-Plattform schlägt vor, sowohl auf Unternehmensebene als auch im Rahmen der Produktinformationen den Anteil von Atomenergie und Erdgas an den gesamten Taxonomie-konformen Aktivitäten bzw. Investitionen separat auszuweisen und weiter nach EU- und Drittstaateninvestitionen zu differenzieren, da die technischen Kriterien für Atomkraft und Erdgas nur für Aktivitäten in der EU zutreffen. Außerdem sollen mit Blick auf Atomkraft und Erdgas nur Investitionen zur Verbesserung der Umweltleistung, nicht aber die Umsätze aus den Aktivitäten als Taxonomie-konform zählen.

Die Sachverständigengruppe der Mitgliedsstaaten für nachhaltiges Finanzwesen war ebenfalls aufgefordert, zum Vorschlag der EU-Kommission Stellung zu nehmen. Nach unserem Verständnis haben davon aber nur einzelne Mitgliedsstaaten Gebrauch gemacht. Das BMF lehnt in seiner Stellungnahme erwartungsgemäß die Einstufung der Atomenergie als ökologisch nachhaltig ab, fordert andererseits aber praktikablere Kriterien für Erdgasaktivitäten, um diese als Brückentechnologie zum schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung zu nutzen und dadurch kurzfristig CO2-Einsparungen zu erreichen.

Die EU-Kommission ist an die Voten der Expertengremien nicht gebunden, kann diese aber mit Blick auf die anstehenden Abstimmungen im EU-Parlament und Rat auch nicht ignorieren. Unklar ist, ob die Kommission nach der klaren Zurückweisung durch die EU-Plattform an ihrem ursprünglichen Plan festhalten wird, die Ergänzungen der technischen Kriterien in den nächsten Wochen zu verabschieden.

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7.1.2022

BVI aktualisiert Arbeitshilfen zur Umsetzung der EU-Nachhaltigkeitsvorgaben

Anlässlich des neuen Zeitplans für die Umsetzung der Offenlegungsverordnung haben wir in unseren Arbeitshilfen die Auslegungshinweise zum Umgang mit den wesentl...

Anlässlich des neuen Zeitplans für die Umsetzung der Offenlegungsverordnung haben wir in unseren Arbeitshilfen die Auslegungshinweise zum Umgang mit den wesentlichen nachteiligen Auswirkungen (PAIs) angepasst. Die Folien enthalten teils neue Antworten (Folien 15 bis 17) und einen überarbeiteten Zeitstrahl (Folie 7); sonstige Änderungen sind gelb markiert. Außerdem haben wir die Übersicht über den aktuellen Stand der EU-Regulierungsvorhaben zur Nachhaltigkeit aktualisiert.
 
Beide Dokumente finden Sie im BVI-Extranet unter der Rubrik „Recht/Nachhaltigkeit“.

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23.12.2021

BVI-Mitgliederumfrage: Fondswirtschaft kommt mit der Integration von Nachhaltigkeitsrisiken voran

Die überwiegende Mehrheit der BVI-Mitglieder arbeitet daran, die systematische Bewertung von Nachhaltigkeitsrisiken in ihre Risikomanagementprozesse zu integrie...

Die überwiegende Mehrheit der BVI-Mitglieder arbeitet daran, die systematische Bewertung von Nachhaltigkeitsrisiken in ihre Risikomanagementprozesse zu integrieren. Dies zeigt die Auswertung unserer repräsentativen Umfrage unter 61 Mitgliedsunternehmen. Demnach haben 90 bis 95 Prozent der Umfrageteilnehmer bereits mit der Integration der Nachhaltigkeitsrisiken begonnen, 10 Prozent haben sie abgeschlossen. Weitere wichtige Ergebnisse der Umfrage sind unter anderem, dass

  • Umwelt- und Governance-Risiken bereits umfangreicher in das Risikomanagement integriert sind als soziale Aspekte.
  • fehlende Standards und mangelnde Datenqualität und -verfügbarkeit die größten Hürden für die Bewertung von Nachhaltigkeitsrisiken darstellen; das gilt vor allem für Daten zu Small Caps, Derivaten und illiquiden Vermögenswerten wie Immobilien, Private Debt, Private Equity und Infrastruktur.
  • Ausschlussverfahren derzeit am häufigsten zur Steuerung von Nachhaltigkeitsrisiken angewendet werden; anspruchsvollere Methoden wie Stresstests und Faktormodelle werden bislang eher selten eingesetzt, vor allem bei kleinen und mittleren Kapitalanlagegesellschaften, Immobiliengesellschaften und Wertpapierinstituten.

Zweck der Umfrage war es, frühzeitig potenzielle Schwachstellen und Handlungsbedarf bei der Integration von Nachhaltigkeitsrisiken im Risikomanagement zu ermitteln und einheitliche Branchenstandards zu entwickeln. Die 61 im August dieses Jahres befragten Unternehmen stehen für 94 Prozent des von der deutschen Fondsbranche verwalteten Vermögens. Teilgenommen haben Wertpapier-KVGs (29), Immobilien-KVGs (21) und Wertpapierinstitute mit einer Erlaubnis als Portfolioverwalter (11).

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