Deutscher Fondsverband

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15.7.2024

Neue Studien zu nachhaltigen Finanztaxonomien und Fortentwicklung der SFDR

In den letzten Tagen wurden zwei spannende Untersuchungen zu aktuellen Nachhaltigkeitsthemen veröffentlicht.

In den letzten Tagen wurden zwei spannende Untersuchungen zu aktuellen Nachhaltigkeitsthemen veröffentlicht:

  • Die DIW-Studie zur weltweiten Entwicklung von Finanztaxonomien zeigt auf, dass bis Ende 2023 bereits 26 Länder bzw. Regionen ihre eigenen Taxonomien eingeführt oder mit deren Entwicklung begonnen haben. Weitere 25 Länder haben die Entwicklung einer Taxonomie initiiert, jedoch noch keinen Text veröffentlicht. Das DIW hat anhand von verschiedenen Kriterien untersucht, welche Taxonomien das Potenzial haben, die nachhaltige Transformation der Wirtschaft zu unterstützen. Die Rahmenwerke des Verbandes der südostasiatischen Nationen (ASEAN), Kolumbiens, der EU, Georgiens, Singapurs, Südkoreas und Sri Lankas schneiden am besten ab, während den Taxonomien Israels, Malaysias, Russlands, Südafrikas und Usbekistans nur ein geringer Beitrag zur Transformation bescheinigt wird.

    Die Studie ist eingängig geschrieben und enthält viele interessante Graphiken zum Vergleich der Taxonomien. Um ihre Wirkung zu verbessern, und eine Verlagerung von Emissionen in andere Länder zu vermeiden, sollten nach Ansicht der Autoren Taxonomien weltweit harmonisiert werden. Alle in den Taxonomien enthaltenen Umwelt- (und Sozial-) Standards sollten zudem wissenschaftlich fundiert sein und einen klaren Pfad zur Klimaneutralität aufzeigen.
  • Die von drei Professoren (David Ramos Muñoz, Marco Lamandini und Michele Siri) im Auftrag des ECON verfasste Studie über die aktuelle Umsetzung der SFDR beleuchtet umfassend die Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Elementen der Nachhaltigkeitsregulierung sowie die aktuellen Schwachstellen und Widersprüche. Die Autoren zeigen eindrücklich auf, dass die SFDR und andere EU-Vorgaben zur Nachhaltigkeit nur unzureichend auf ihre eigentlichen Ziele hin ausgerichtet wurden. Mit Blick auf die bevorstehende Reform sprechen sie sich dafür aus, zunächst die Nutzergruppe der SFDR und deren übergeordnete Ziele zu bestimmen und auf dieser Grundlage konkrete Anpassungen vorzunehmen. Als entscheidend sehen sie die Weichenstellung, ob die künftigen Produktkategorien nach SFDR auf gefestigte Präferenzen der Anleger eingehen (in diesem Fall, so die Argumentation, wären detaillierte Regeln mit dem Anlegerschutz zu rechtfertigen) oder vielmehr eine effektive Transformation bewirken sollen, die das Kapital in Richtung bestimmter Aktivitäten lenkt (dann sollte der Ansatz ausreichend flexibel sein, um weite Teile des Marktes mitzunehmen).

Die meisten Erkenntnisse und Empfehlungen der Studie decken sich mit der Position des BVI. Insgesamt bietet die Studie des ECON damit eine willkommene Unterstützung, um unsere Forderungen in der weiteren politischen Debatte zu untermauern.

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magdalena.kuper@bvi.de

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15.7.2024

Publikumsfonds fließen im Mai vier Milliarden Euro zu

Das Netto-Neugeschäft der Fondsbranche summierte sich im Mai auf 3,0 Milliarden Euro. Dabei verzeichneten offene Publikumsfonds 4,0 Milliarden Euro neue Gelder....

Das Netto-Neugeschäft der Fondsbranche summierte sich im Mai auf 3,0 Milliarden Euro. Dabei verzeichneten offene Publikumsfonds 4,0 Milliarden Euro neue Gelder. Aus Mandaten außerhalb der Fondshülle flossen dagegen 1,1 Milliarden Euro ab. Auch der Netto-Absatz von offenen Spezialfonds lag leicht im Minus.

Bei den offenen Publikumsfonds erhielten Aktienfonds und Rentenfonds mit 2,8 bzw. 1,9 Milliarden Euro die höchsten Zuflüsse. Aus Sachwertefonds, insbesondere Immobilienfonds, zogen Anleger per Saldo 0,5 Milliarden Euro ab.

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Bei den offenen Spezialfonds überwiegen im laufenden Jahr nach den Rückflüssen im Februar und März die Monate mit negativem Neugeschäft. Dennoch flossen ihnen in der Summe zwischen Januar und Mai 13,5 Milliarden Euro zu. Damit liegt der Netto-Absatz nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (Januar bis Mai 2023: 14,4 Milliarden Euro).

Das Vermögen offener Spezialfonds stieg Ende Mai auf 2.121 Milliarden Euro an. Altersvorsorgeeinrichtungen, wie z. B. Pensionskassen und Versorgungswerke, sind mit einem Anteil von 35 Prozent die größte Anlegergruppe, gefolgt von Versicherern mit 25 Prozent.

Das gesamte verwaltete Vermögen der Fondswirtschaft ist seit Jahresbeginn um fast vier Prozent auf 4.293 Milliarden Euro angewachsen.

Detaillierte Daten zum deutschen Fondsmarkt finden Sie in der Investmentstatistik und über die Statistik-Abfragen. Interaktive Grafiken mit Anbietervergleichen können Sie in der Grafikstrecke abrufen.

thomas.koop@bvi.de

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9.7.2024

AIFMD-Review: ESMA veröffentlicht Konsultationen zu den Liquiditätsmanagementinstrumenten

Die ESMA hat zwei wichtige Konsultationen mit Entwürfen für Leitlinien und technische Regulierungsstandards (RTS) als Teil des AIFMD-Reviews zum Thema Liquiditä...

Die ESMA hat zwei wichtige Konsultationen mit Entwürfen für Leitlinien und technische Regulierungsstandards (RTS) als Teil des AIFMD-Reviews zum Thema Liquiditätsmanagement unter der AIFM- und OGAW-Richtlinie veröffentlicht:

  • RTS-Entwurf zu den Merkmalen von Liquiditätsmanagementinstrumenten (LMT): Dieser basiert auf dem Mandat in Art. 16(2g), (2i) AIFMD sowie Art. 18a(3) OGAW-Richtlinie. Der Entwurf definiert in neun Artikeln die Merkmale jedes LMT im Anhang V AIFMD und Anhang IIA der OGAW-Richtlinie, wie etwa Berechnungsmethoden und Aktivierungsmechanismen. Der zehnte Artikel regelt das Inkrafttreten des RTS, wobei die ESMA den Anwendungszeitpunkt noch offengelassen hat. Zu diesem RTS-Entwurf hat die ESMA insgesamt 43 detaillierte Fragen, die in der Konsultation beantwortet werden sollen.
  • Leitlinien-Entwurf zu LMTs für OGAWs und offene AIFs: Dieser basiert auf dem Mandat in Art. 16(2h) AIFMD und Art. 18a(4) OGAW-Richtlinie und soll Hinweise darauf geben, wie Manager LMTs unter Berücksichtigung ihrer Anlagestrategie, ihres Liquiditätsprofils und der Rücknahmepolitik des Fonds auswählen und kalibrieren sollen. Die Konsultation umfasst insgesamt 50 detaillierte Fragen.

Ziel ist es, mit diesen Maßnahmen eine einheitliche Anwendung der Richtlinien für offene Fonds in der EU zu fördern und die Fondsmanager besser in die Lage zu versetzen, die Liquidität ihrer Fonds zu managen, um sich auf Marktstresssituationen vorzubereiten. Darüber hinaus soll die Funktionsweise bestimmter LMTs geklärt werden, wie z. B. die Verwendung von Side Pockets, eine Praxis, die derzeit in der EU sehr unterschiedlich gehandhabt wird.

Wir werden beide Konsultationspapier in den BVI-Gremien auswerten. Ihre Anmerkungen sind willkommen. Die Stellungnahmefristen laufen am 8. Oktober 2024 ab. Die ESMA muss ihren Abschlussbericht zum RTS und die Leitlinien bis zum 16. April 2025 vorlegen.

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peggy.steffen@bvi.de

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9.7.2024

BaFin veröffentlicht Umsetzungshinweise zu DORA

Die BaFin hat eine Aufsichtsmitteilung mit Umsetzungshinweisen zu DORA veröffentlicht.

Die BaFin hat eine Aufsichtsmitteilung mit Umsetzungshinweisen zu DORA veröffentlicht. Diese soll als nicht verpflichtende Hilfestellung die Unternehmen dabei unterstützen, die Anforderungen der DORA-Verordnung und der technischen Regulierungsstandards zum IKT-Risikomanagement und IKT-Drittparteienrisikomanagement umzusetzen. Im Fokus steht ein Vergleich der bisherigen Aufsichtspraxis aus den BaFin-Rundschreiben über die bank- und versicherungsrechtlichen Anforderungen an die IT (BAIT und VAIT). Die BaFin weist darauf hin, dass sich die in der Aufsichtsmitteilung enthaltenen Ergebnisse auch auf Kapitalverwaltungsgesellschaften übertragen lassen, weil die Vorgaben der BaFin-Rundschreiben in den BAIT und VAIT mit den Aufsichtspraktiken in der KAIT vergleichbar sind.

Der Veröffentlichung der Umsetzungshinweise zu DORA ging ein intensiver Dialog zwischen BaFin, Bundesbank und Industrie in eigens dafür eingerichteten Arbeitsgruppen voraus. Der BVI hat sich dabei an zwei Arbeitsgruppen beteiligt, die den Bereich Auslagerung sowie Informationsrisiko- und Informationssicherheitsmanagement zum Schwerpunkt hatten. Die Aufsichtsmitteilung fasst daher die Ergebnisse der Arbeitsgruppen in einem Papier zusammen. Wichtige Erkenntnis: Viele Anforderungen aus DORA decken sich mit der bisherigen BaFin-Praxis. Die BaFin beabsichtigt daher, ihre BaFin-Rundschreiben BAIT, VAIT, ZAIT und KAIT aufzuheben. Dennoch zeigen die Umsetzungshinweise auch die Unterschiede zwischen DORA und den bisherigen BaFin-Anforderungen und den daraus resultierenden Handlungsbedarf auf. Zudem enthält die Aufsichtsmitteilung eine Übersicht der Mindestvertragsinhalte, die die der DORA-Verordnung unterliegenden Finanzunternehmen mit IKT-Drittdienstleistern vereinbaren müssen.

Die BaFin weist außerdem darauf hin, dass das in der DORA enthaltene IKT-Drittparteienrisikomanagement die bestehenden sektoralen Regelungen zu Auslagerungen ergänzt. Die sektorspezifischen Auslagerungsanforderungen sind somit weiterhin zu beachten. Dabei beleuchtet die BaFin in den Umsetzungshinweisen lediglich die Anforderungen aus dem Banken- und Versicherungsbereich. Die konkreten Abgrenzungsfragen für Auslagerungen nach dem KAGB werden wir noch separat mit der Investmentaufsicht erörtern. Unabhängig davon enthält die Aufsichtsmitteilung die Aussage, dass eine Harmonisierung der Anforderungen an das IKT-Drittparteienrisikomanagement unter DORA und der sektoralen Anforderungen an Auslagerungen aufsichtsseitig angestrebt werde.

Weitere Informationen können Sie der BaFin-Internetseite sowie dem Interview von Frau Ira Kosche-Steinbrecher (Leiterin des BaFin-Referates GIT 3) im BaFinJournal entnehmen.

Unabhängig davon haben die ESAs inzwischen FAQs zu ihrer aktuellen Trockenübung über die Meldung der Informationsregister veröffentlicht. Zudem hat der Gemeinsame Ausschuss der ESA inzwischen sein Register mit FAQs zu einzelnen EU-Regelwerken auch um Fragen und Antworten zu DORA ergänzt.

 

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peggy.steffen@bvi.de

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8.7.2024

CSDDD im EU-Amtsblatt veröffentlicht

Die EU-Richtlinie über die Sorgfaltspflichten von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit (CSDDD) wurde im EU-Amtsblatt veröffentlicht.

die EU-Richtlinie über die Sorgfaltspflichten von Unternehmen im Hinblick auf Nachhaltigkeit (CSDDD) wurde im EU-Amtsblatt veröffentlicht (deutsch /englisch). Sie tritt am 26. Juli 2024 in Kraft und ist bis spätestens 26. Juli 2026 in nationales Recht umzusetzen.

Die Erstanwendung in der Praxis ist nach Größe der betroffenen Unternehmen bzw. Unternehmensgruppen gestaffelt (Art. 37(1)). Die CSDDD gilt danach

  • ab 26. Juli 2027 für EU-Unternehmen und Gruppen von Unternehmen mit durchschnittlich mehr als 5.000 Mitarbeitern und über 1,5 Milliarden Euro weltweitem Nettoumsatz sowie für Unternehmen bzw. Gruppen von Unternehmen aus Drittstaaten, die in der EU einen Nettoumsatz von über 1,5 Milliarden Euro erzielen, bezogen auf Geschäftsjahre, die am bzw. nach dem 1. Januar 2028 beginnen;
  • ab 26. Juli 2028 für EU-Unternehmen und Gruppen von Unternehmen mit durchschnittlich mehr als 3.000 Mitarbeitern und über 900 Millionen Euro weltweitem Nettoumsatz sowie für Unternehmen bzw. Gruppen von Unternehmen aus Drittstaaten, die in der EU einen Nettoumsatz von über 1,5 Milliarden Euro erzielen, bezogen auf Geschäftsjahre, die am bzw. nach dem 1. Januar 2029 beginnen;  
  • ab 26. Juli 2029 für EU-Unternehmen und Gruppen von Unternehmen mit durchschnittlich mehr als 1.000 Mitarbeitern und über 450 Millionen Euro weltweitem Nettoumsatz sowie für Unternehmen bzw. Unternehmensgruppen aus Drittstaaten, die in der EU einen Nettoumsatz von über 450 Millionen Euro erzielen. Der veröffentlichte Text der CSDDD bezieht sich hier irrtümlich auf Geschäftsjahre, die am bzw. nach dem 1. Januar 2029 beginnen; eigentlich ist eine Anwendung ab dem 1. Januar 2030 geboten. Wir werden die EU-Kommission auf diesen Fehler hinweisen.

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